Samstag, 4. Februar 2012
Vaterloses Glück?
Entgegen einer Vielzahl von Trennungs- und Entfremdungsstudien aus verschiedenen Bereichen der Fachwelt der vergangenen Jahre übernimmt die Redaktion der „Psychologie heute“ in der aktuellen Februarausgabe auf Seite 12 quasi unreflektiert die aus dem Forschungsprojekt „Familienentwicklung nach Trennung der Eltern“ hervorgegangene „Studie“ einer Gruppe von Psychologinnen der Universität München, deren Tenor zufolge Kinder mit abwesendem Vater nicht belasteter sind als Kinder aus intakten Elternhäusern. Allein die Einleitung „wissenschaftlich kaum erforscht ist, wie sich Kinder und Jugendliche entwickeln, die nach einer frühen Trennung der Eltern keinen Kontakt mehr zum leiblichen Vater haben...“ darf nur gelinde formuliert als „Irrtum“ gelten.
Auch fällt ins Auge, dass weder das „Parental-Alienation-Syndrome“ (im deutschsprachigen Raum besser bekannt als Entfremdungssyndrom) mitsamt seiner zahlreichen negativen Langfristfolgen wie erhöhter Suizid- und Suchtgefahr in den folgenden Lebensjahren, Konzentrationsstörungen, Bindungsstörungen sowie einer niedrigeren Lebensqualität insgesamt, noch die Rolle entfremdender Elternteile ausreichend ausgeführt werden.
Unter diesen Gesichtspunkten kann nur von einer ideologischen Vorbelastung von Artikeln wie diesem ausgegangen werden. Zumal es keine unbekannte Größe mehr ist, dass auch die Auffassung wissenschaftlicher Methodik zur Architektur einiger Studien bestenfalls als mangelhaft beziehungsweise ideologisch vorbelastet bezeichnet werden kann. Bedauerlich, dass auch Fachblätter wie die „Psychologie heute“ damit nicht mehr vollumfänglich als seriös anerkannt werden können.

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